Besuch aus Griechenland
In den letzten Tagen hatten wir lieben Besuch von Andrea Winterscheidt und ihrer
Freundin Elena aus Athen.
Andrea und ich kennen uns nun schon seit 14 Jahren.

Eigentlich war sie es, die mich zum Tierschutz brachte.
Auf der einzigen Flugreise meines Lebens zu der Insel Kos , lernte ich sie
kennen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie in meinem Leben so viele Hunde und
Katzen gesehen, die auf der Straße streunten und die Eingänge der Speisesäle in
die Hotels belagerten.
Anstatt damals den Urlaub als Bade- und Erholungsurlaub zu nutzen, begann ich
nach den ersten Tagen bei den Touristen Geld zu sammeln, um die dort vor dem
Hotel lebenden Katzen kastrieren zu lassen. Immerhin schaffte ich, für fünf
Katzen das Geld zusammen zu bringen.
Nachdem ich über verschiedene Kontakte auf der Suche nach einer Tierschützerin
vor Ort auf Andrea gestoßen war, beschlossen wir in der Zukunft zusammen zu
arbeiten.
In den Jahren darauf, konnte ich einer Menge Hunde und Katzen zu Familienplätzen
verhelfen.
Inzwischen sind die ersten Hunde, die damals über Andrea gekommen sind,
verstorben und oft konnten wir einen neuen Hund in einem uns ?bekannten zu
Hause, platzieren.
Bei uns in Frankreich lebt immer noch die scheue Babalou, die Andrea damals noch
von der Insel Kos und über den Tierschützer Vangelis zu uns geschickt hatte.
Leider hat sich ihr Angst-Verhaltensmuster auch bei intensiver Bemühung , nicht
geändert � wie bei so vielen Hunden � die uns als ?Angsthunde aus Griechenland
geschickt wurden, und für die es unmöglich war, einen geeigneten Platz zu
finden.
Dabei ist es nicht so, dass wir es nicht versucht hätten. Aber einige sehr
unangenehme Begebenheiten pflasterten den Weg. Eine Familie, die sich zwar
bewußt für einen ängstlichen Hund entschieden hatte, war trotz anfänglicher
Bemühungen dann doch mit einem so lang anhaltend schwierigen Hund überfordert
und , als eines Tages die Aufmerksamkeit nachgelassen hatte, lief dieser Hund in
einer Panikattacke in ein Auto.
Ein anderer Hund, der sich nach einer Zeit einigermaßen an seine neuen
Verhältnisse gewöhnt hatte, erschrak sich bei einem Spaziergang derart vor einem
vorbeifahrenden Motorrad, dass er aus dem zu lockeren Halsband flüchtete und in
ein nahe gelegenes Maisfeld rannte. Trotz intensiver Bemühungen der Besitzer
wurde der Hund erst nach der Maisernte gefunden. Er hatte sich in eine Erdhöhle
geflüchtet und war verhungert.
Andreas Besuch galt einem weiteren Hund, der von ihr aus Griechenland geschickt
wurde, und der auch bei uns ein Langzeit-Zuhause gefunden hat.
Flöckchen ist eine große, imposante Hündin, die sehr lange braucht, fremde
Menschen zu akzeptieren.

Eigentlich ist sie zwar ein typischer Männerhund, verhält sich aber genau dieser
Spezies Mensch gegenüber anfangs deutlich aggressiv. Erst nach einer gewissen
Zeit, fasst sie Vertrauen � was aber nicht heißt , dass sie nicht zwischendurch
wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurückfällt, und kräftig verbellt. Der
Gesichtsausdruck von Flöckchen heißt dann nichts Gutes, und es hat sich schon
manch ein Zweibeiner mal eben rasch vor ihr in Sicherheit gebracht.
Nach fast einem Jahr ihres Aufenthalts bei uns, hat sie sich mit unendlich viel
Liebe und Vertrauen an Michael angeschlossen, dem sie den ganzen Tag auf Schritt
und Tritt folgt.
Ich werde von ihr akzeptiert, da es von mir Futter gibt, ihr Verhalten mir
gegenüber ist aber dennoch deutlich verschlossener als Michael gegenüber.
Auch einige andere Griechen waren und sind Andrea ein Begriff und wurden von ihr
begrüßt.
Der leishmaniosekranke Alexander von Myra , die vier ängstlichen Höhlenhunde von
Carole und die vier scheuen Wölfe von Nana.

Auch unser Mutter-Tochter-Gespann Toni und Ronja kam schon im Jahr 1997 von der
Insel Kos und stammt noch aus den Anfängen unserer Zusammenarbeit.
Die arme Toni war damals von einer Salve eines Jägers getroffen worden, von der
sie immer noch 36 Schrotkugeln in ihrem kleinen Körper trägt. Um sicher zu sein,
dass sie auch wirklich tot sein würde, trat dieser schreckliche Mensch auch noch
auf Toni ein, so dass sie zwei luxierte Hüftgelenke hatte, als sie bei uns
eintraf. Es ist ein großes Wunder, dass dieser tapfere Hund überlebte und es
auch noch fertig brachte, ihre damals drei Monate alte Tochter Ronja noch
irgendwie durchzubringen. Fast am Verhungern wurden die Beiden dann
glücklicherweise von Vangeli gefunden, und so konnten sie gerettet werden.
Durch die schwere Schussverletzung ist Toni blind, zwei der Schrotkugeln sitzen
im Sehzentrum. Das schlimme Schicksal hat Mutter und Tochter derart
zusammengeschweißt, dass die Beiden auch nach der langen Zeit in Sicherheit nur
als Doppelpack unterwegs sind, wobei Ronja sich rührend um ihre blinde Mutter
kümmert , indem sie sie führt und leitet.

So hatten wir viel zu erzählen , wobei ein besonderer Höhepunkt des Besuchs
ein wunderbarer Schneespaziergang war, wobei es für Andreas eigene Hunde der
erste Schnee ihres Lebens war, der aber mit überschäumender Lebensfreude
genossen wurde.
Die Aufregung im Rudel wegen des Besuchs war selbstverständlich groß, und erst
nach einiger Zeit fand man wieder � nach anfänglich sehr misstrauischer Beäugung
� zum normalen Leben zurück. Yuna hatte wohl Angst, dass man ihr das Abendessen
abspenstig machen könnte, und sicherte sich schon mal ihren Anteil?
Reina spielte unterdessen mal wieder Frau Griesgram, denn sie will eigentlich
nur ihre Ruhe haben.

Wir hatten definitiv den Eindruck , dass eine Abweichung unseres normalen
Tagesablaufs doch sehr müde machte..

Unsere Frau Wehrwolf schaut auf dem Bild zwar recht unschuldig, sie benahm sich
aber mal wieder völlig daneben. So ruhte sie nicht eher, bis Elena keine Mütze
mehr auf dem Kopf hatte und war auch durch gutes Zureden nicht davon abzuhalten,
völlig auszurasten und fast hysterisch zu agieren.

Am Abend genoß unser griechischer Besuch noch einen herrlichen Sonnenuntergang
und unsere Gäste freuten sich über eine ruhige , friedliche Nacht in den
französischen Vogesen, bevor sie am nächsten Morgen Abschied nehmen mussten.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen !!